• Anbieter von Patientendossier braucht noch mehr Steuergeld

    Anbieter von Patientendossier braucht noch mehr Steuergeld

    Problemfall Axsana

    Acht Kantone, darunter Zürich, Basel und Bern, sollen der Axsana des früheren Zürcher Gesundheitsdirektors Heiniger neues Geld einschiessen. Doch die zeigen wenig Bereitschaft, zumal das System immer noch nicht funktioniert.

    Mit dem elektronischen Patientendossier sollen Spitäler – hier die Notaufnahme des Inselspitals Bern, einfacher auf Dokumente zugreifen können.

    Eigentlich müsste das elektronische Patientendossier (EPD) bereits seit dem 15. April dieses Jahres laufen. So steht es im Gesetz. Und die Politiker hatten eine genaue Vorstellung davon, was damit gemacht werden sollte: Die Patienten sollten alle ihre Gesundheitsdaten an einem Ort haben, und ihre Ärzte sollten rasch und einfach finden, was sie brauchen – so, wie es in Dänemark schon lange funktioniert. Fünf Monate nach dem Termin gibt es hierzulande diese Systeme aber immer noch nicht. Und Besserung ist nicht in Sicht. Der offizielle Grund ist, dass die Zertifizierung der Systeme nicht vom Fleck kommt.

    Die Firma gehört zu 50 Prozent einem Trägerverein aus Spitalverbänden und Ärztegesellschaften. Die andere Hälfte der Anteile gehört den Kantonen Zürich, Bern, Basel-Stadt, Luzern, Nidwalden, Schwyz, Zug und Uri. Im Sommer verschickte die Axsana den ihr angeschlossenen Spitälern Rechnungen, doch diese weigerten sich zu zahlen und bekamen am Schluss recht.

    Fünf Millionen gesucht

    Jetzt braucht aber Axsana unbedingt rund 5 Millionen Franken. Die Firma ist deshalb an die acht Kantone gelangt mit der Bitte, ein Darlehen über 1,875 Millionen Franken zu sprechen. Von der Swisscom, welche die Informatiklösung erarbeitet hat, möchte Axsana die Stundung von 3 Millionen Franken. Das geht aus einer Antwort des Berner Gesundheitsdirektors Pierre-Alain Schnegg auf eine Frage von Grossrat Michael Köpfli (GLP) hervor. Die Anschubfinanzierung werde nicht reichen, schreibt Schnegg. Und der Geschäftsplan der Axsana greife nicht mehr.

    «Die Gewährung eines Darlehens durch den Kanton Bern ist nicht geplant.»

    Am Dienstag findet die Sitzung statt, an der über das Darlehen entschieden wird. Einfach dürfte es für Axsana nicht werden. Denn in der gleichen Antwort schreibt Gesundheitsdirektor Schnegg, dass «die Gewährung eines Darlehens durch den Kanton Bern nicht geplant ist.»

    Die Zurückhaltung von Bern könnte Folgen haben. So lässt die Zürcher Gesundheitsdirektion ausrichten, von Zürich gebe es nur Geld, wenn sich die anderen Kantone und auch der Trägerverein aus Spitalverbänden daran beteilige. Zudem müsse ein «Zeitplan für die Finanzierungs- und Rückzahlungsschritte sowie ein verbindlicher Zeitraum im Frühling 2021 für die Einführung des EPD vorliegen. Zürich fordert zudem, dass «eine substanzielle Änderung des Governance-Settings in Angriff» genommen wird. Was das konkret bedeutet, wollte Sprecher Marcel Odermatt nicht darlegen.

    Auch die Gesundheitsdirektionen von Schwyz und Nidwalden, Basel, Zug, Luzern und Uri sind zurückhaltend und nicht scharf darauf, dem Problemunternehmen noch mehr Geld zu geben. Der Trägerverein wird sich erst am Donnerstag beraten, ob und wie er der Axsana Geld zukommen lässt.

    Wie schlimm es um die Finanzen der Axsana steht, lässt sich nur erahnen. Die Firma bestätigt Gespräche mit den Kantonen, dem Trägerverein und dem Bund. Obwohl die Firma weitgehend von Steuergeldern lebt, legt sie ihre Buchhaltung auf wiederholte Anfrage nicht offen, selbst der Jahresbericht 2019 enthält keine ordentliche Abrechnung. Dass sie Darlehen in Millionenhöhe benötigt, zeigt, dass sie Liquiditätsprobleme haben könnte. Gegenüber den ihr angeschlossenen Spitälern liess Axsana Ende August verlauten, dass man mit einem «eingeschränkten Pilotbetrieb» starten wolle, und zwar «frühestens ab Mitte November 2020».

    Nur ein Viertel plant die Integration in die Kliniksoftware

    Wie weit weg das elektronische Patientendossier von der ursprünglichen Grundidee entfernt ist, zeigt eine Liste der Gesundheitsdirektorenkonferenz von Ende April. Dort haben 257 Spitäler und Kliniken angegeben, ob und teilweise wie sie das EPD mit ihrem Klinikinformationssystem verknüpfen wollen. Nur dann würde das Patientendossier den vorgesehenen Nutzen bringen.

    Nur 68 Gesundheitsinstitutionen haben angegeben, diese Einbettung des Patientendossiers in ihre Kliniksoftware überhaupt anzustreben. Bei allen anderen wird es eine Webportal-Lösung geben, oder wie der Obwaldner Spitaldirektor Andreas Gattiker sagt, einen «PDF-Friedhof», sprich, es werden nur elektronische Kopien von Dokumenten abgelegt, was den Patienten wenig Nutzen bringen dürfte.

    Unter jenen Kliniken, die vorwärtsmachen, sind fast alle Spitäler im Kanton Graubünden. Die von ihnen gebildete Gemeinschaft hat aber einen anderen Ansatz als Axsana gewählt: Sie entwickelte mithilfe eines österreichischen Anbieters, der schon ein solches System entwickelt hat, eine Plattform zur Vernetzung der Leistungserbringer. Das Patientendossier ist dann daran angehängt. Das Bündner System ist im Gegensatz zu Axsana auch ganz ohne kantonale Beiträge entwickelt worden.

    Zitat der Seite von www.bernerzeitung.ch
  • Elektronisches Patientendossier wäre bei Corona hilfreich

    Elektronisches Patientendossier wäre bei Corona hilfreich

    Die Chefin der Krankenkasse CSS, Philomena Colatrella, hat sich zu den Lehren aus der Coronavirus-Pandemie für das Schweizer Gesundheitswesen geäussert. «Gerade während der Corona-Krise wäre das elektronische Patientendossier extrem hilfreich gewesen.»

    Dies sagte sie den «Zeitungen der CH-Media» vom Samstag. «Ärzte könnten die Vorerkrankungen einer Person so auf einen Blick sehen. Für die Behandlung ist das entscheidend – nicht nur bei Corona-Patienten», erklärte sie diesbezüglich.

    Angst vor Datennutzung

    Dänemark habe bereits ein solches System und sei der Schweiz «um sechs bis zehn Jahre voraus», betonte Colatrella. «Die Schweiz tut sich mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen sehr schwer», sagte die Vorsitzende der Konzernleitung der CSS-Gruppe weiter. Die Angst vor der Datennutzung sei gross. Damit Vertrauen entstehen könne, brauche es Transparenz und Aufklärung, hob sie hervor.

    In den vergangen Monaten habe sich aber gezeigt, dass viele Versicherte gewillt seien, neue Wege der Informationen und Behandlungen zu beschreiten, ehe sie zum Arzt gingen, sagte sie zudem. «Unsere App MyGuide, die einen Symptomcheck anbietet, wurde während der Pandemie doppelt so viel genutzt», beschrieb sie den Trend. Prävention sei eine der Kernaufgaben der Krankenversicherer.

    Auflösen von Reserven

    Zur Entwicklung der Krankenkassenprämien aufgrund der Coronavirus-Pandemie wollte sich Colatrella gegenüber «CH-Media» nicht äussern. «Dies lässt sich noch nicht abschätzen», sagte sie. «Über ein paar Wochen hinweg fielen weniger Kosten an. Jetzt gibt es aber auch Nachholeffekte», erklärte die 52-Jährige. Gleichzeitig befände sich die Schweiz allerdings auch in einer schwelenden zweiten Coronavirus-Welle, was die Abschätzungen für die Prämienrunden schwieriger gestalte.

    «Allfällige coronabedingte Mehrkosten dieses Jahres fangen wir über die Reserven auf», gab Colatrella aber bereits etwas Entwarnung für die Entwicklung der Krankenkassenprämien.

    Zitat der Seite von telebasel.ch

  • Die Schweizer Schutzmasken sind jetzt zertifiziert

    Flawa-CEO Claude Rieser mit dem Prototyp der Pandemiemaske am 12. Juni. Foto: Samuel Schalch.

    Die deutsche Zulassungsstelle TÜV Nord hat die Flawa Covid Pandemie Atemschutzmaske (CPA) – kurz: Pandemiemaske – nun endgültig zertifiziert. In einem ersten Anlauf hatte es noch nicht geklappt. Schon zuvor war es zu Verspätungen gekommen, nachdem die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) die Masken für die zweite Hälfte April angekündigt hatte (vgl. den Artikel «Corona-Schutz made in Switzerland – Ricklis teurer Masken-Coup»).

    In einer Medienmitteilung erklärt nun das Flawiler Unternehmen Flawa, dass die Herstellung aufgenommen worden ist. Die ersten Masken sollen ab kommender Woche über den Onlineshop der Firma erhältlich sein. Es sind die ersten in Europa mit eigenen Maschinen hergestellten Pandemiemasken.

    85’000 Masken am Tag

    Die Firma Flawa kann nach eigenen Angaben mit drei Maschinen täglich rund 85’000 CPA-Masken produzieren. Zwei Maschinen sind vom Bund und Kanton Zürich für insgesamt 1,6 Millionen Franken in China beschafft worden. Die dritte Maschine stammt vom Ostschweizer Unternehmen Prodema und ist in der Schweiz konstruiert worden.

    «Wir freuen uns sehr, dass wir die ersten zertifizierten Covid Pandemie Atemschutzmasken aus Schweizer Produktion auf den Markt bringen können. Ich bin stolz, dass unser Team mit einer ausserordentlichen Leistung die Zertifizierung geschafft hat. Die Bemühungen und der Durchhaltewille aller am Projekt beteiligten Parteien während der letzten Monate haben sich gelohnt», erklärt Flawa-CEO Claude Rieser im Communiqué.

    CPA-Masken sind vor allem fürs Gesundheitspersonal gedacht und sind FFP2-Masken ähnlich, welche nicht nur die Umwelt, sondern auch die Träger vor Viren schützen. Eine Flawa-Maske kostet je nach Version 3.20 oder 3.55 Franken.

    Die Ostschweizer Firma stellt seit Ostern auch Universalmasken her – mittlerweile 400’000 Stück in der Woche, wie sie mitteilt.

    Zitat der Seite https://www.tagesanzeiger.ch/ricklis-schutzmasken-sind-jetzt-zertifiziert-267976936406.