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Wie gut sind Alters- und Pflegeheime auf das EPD vorbereitet?

Für viele Gesundheitseinrichtungen bedeutet die Einführung des EPD einen Wandel auf unterschiedlichen Ebenen. Eine Umfrage bei Alters- und Pflegeheimen zeigt auf, wie weit fortgeschritten sie bezüglich der Einführung sind und wo weiterhin grosse Lücken bestehen.

Das im April 2017 in Kraft getretene Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier verpflichtet stationäre Leistungserbringer, wie Spitäler, Alters- und Pflegeheime, sich innert einer definierten Frist an eine Stammgemeinschaft anzuschlies­sen und behandlungsrelevante Dokumente im elektronischen Patientendossier (EPD) der Patienten zu hinterlegen.

Um den Stand der Vorbereitung in den Institutionen zu messen sowie deren Kenntnisse zu diesem Thema zu identifizieren, wurde ein EPD-Reifegradmodell entwickelt, das die Bereiche Strategie, Prozesse/Organisation, Systeme und Kultur untersucht. Dies mit dem Zweck die EPD-Readiness auszuweisen. Das Reifegradmodell setzt sich aus 15 Dimensionen zusammen. Je Dimension kann einem Alters- und Pflegeheim ein Reifegrad zwischen dem Level 1 (nicht EPD-ready) und dem Level 5 (sehr EPD-ready) zugeordnet werden. Der Durchschnitt aller Dimensionen ergibt den Gesamtreifegrad eines Alter- oder Pflegeheims. Wird ein Gesamtreifegrad von mindestens vier erreicht, gilt die Gesundheitsinstitution als EPD-ready.

Ergebnisse aus der Umfrage

Aus der Umfrage geht hervor, dass gemäss der Eigeneinschätzung der Institutionen die Maturität für die Einführung des EPDs mit einem durchschnittlichen Gesamtreifegrad von 2,49 relativ tief ist. Das höchste Level wurde in der Dimension behandlungsrelevante Dokumentation mit einem durchschnittlichen Reifegrad von 3.22 erreicht. Das Reifegradmodell besagt, dass bei diesem Reifegrad die Dokumentation grösstenteils digital (Pflegedokumentationen mittels Office-Produkten und PDF) stattfinden und soweit standardisiert ist. Die durchschnittlich tiefsten Erreichungsgrade wurden in den Dimensionen Standards (1.46) und GFP(Gesundheitsfachpersonen)-Konzept (1.36) erreicht. Für den zukünftigen Erfolg des EPDs ist es essenziell, dass die Vernetzung koordiniert gefördert wird, das heisst, dass sich die Institutionen an die definierten Standards halten, damit die technische und semantische Interoperabilität gewährleistet ist. Deshalb gibt das EPDG gewisse Standards vor, die es einzuhalten gilt. Trotz der grossen Bestrebungen seitens Gesetzgeber und E-Health Schweiz geben mehr als 80 Prozent der Gesundheitsinstitutionen an, weder technische noch semantische Standards in Bezug auf E-Health/EPD definiert zu haben. Auch hinsichtlich des GFP-Konzepts besteht noch grossen Aufholbedarf. Das GFP-Konzept soll beantworten, ob die Diplome der entsprechenden Person im nationalen Register NAREG hinterlegt sind, die Ein- und Austritte der Stammgemeinschaft gemeldet wurden, eine Namensänderung veranlasst wurde oder ob die nötigen Schulungen absolviert wurden. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen deutlich, dass solche Themen heute kaum adressiert sind, obwohl sie für eine guten Bewirtschaftung des Patientendossiers unabdingbar sind.

Nachholbedarf in allen Bereichen

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass die Alters- und Pflegeheime in der Schweiz noch nicht genügend auf das EPD vorbereitet sind. In allen Bereichen sind Massnahmen nötig, um die optimale Anbindung ans EPD gewährleisten zu können. Dafür werden je nach Schwäche einer Dimension unterschiedliche Handlungsmassnahmen bis im April 2022 empfohlen.

Der Originaltext stammt von hier: https://www.netzwoche.ch/news/2020-03-04/wie-gut-sind-alters-und-pflegeheime-auf-das-epd-vorbereitet.